Es steht außer Zweifel, dass naturwissenschaftliche Kompetenzen Teil einer modern definierten Allgemeinbildung sind. Kenntnisse, Methoden und Vorgehensweisen der Naturwissenschaften prägen das moderne Leben – dem gesellschaftlichen Diskurs über das Machbare und das moralisch Wünschenswerte kann sich niemand entziehen. Am Gymnasium Oldenfelde räumen wir den Naturwissenschaften neben dem Musischen und den Fremdsprachen einen breiten Raum ein. Die örtlichen Voraussetzungen sind optimal: ein Teich und die Wandse befinden sich auf dem Schulgelände, das Naturschutzgebiet Höltigbaum ist fußläufig zu erreichen.

Mit diesem Angebot locken wir viele naturwissenschaftlich interessierte und begabte Schülerinnen und Schüler an. Nicht immer gelingt es im Unterricht, auf alle Fragen in der notwendigen Tiefe einzugehen. Daher haben wir im letzten Schuljahr das Forscherlabor gegründet. Es verfolgt das Ziel, das Begabungspotential dieser Schülergruppe optimal zu fördern. Dort sollen unsere Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit bekommen, frei und ohne vorgegebenes Ziel zu forschen. Anders als in vielen anderen Projekten dieser Art steht nicht primär die Wettbewerbsteilnahme im Vordergrund – was nicht ausschließt, dass gelungene Projekt eingereicht werden. Das Labor soll Schüler verschiedener Alters- und Entwicklungsstufen anziehen. So könnten z.B. Schülerinnen und Schüler, die schon länger dabei sind, auf Dauer Jüngere anleiten. Forschen impliziert immer auch ein (vorübergehendes) Scheitern. Für Schülerinnen und Schüler ist es gelegentlich glaubhafter, nicht von einer erwachsenen Lehrkraft, sondern von älteren Schülerinnen und Schülern zu hören, dass man nicht aufgeben sollte. Sie werden so auf dem natürlichen Forscherweg viel effektiver an den naturwissenschaftlichen Ablauf von Forschung herangeführt. Auf diese Weise erleben sie das eigenverantwortliche und selbstständige Arbeiten und Lernen mit allen dazugehörigen Höhen und Tiefen.

Mit unserem Projekt möchten wir auch gerade solche Schülerinnen und Schüler an die Naturwissenschaften heranführen, die vielleicht im Unterricht weniger begeistert sind und eher einen experimentellen und spielerischen Zugang haben. Im Forscherlabor ist eine Anknüpfung an den Alltag unserer Schülerinnen und Schüler leichter, da die Forschung nicht an den Lehrplan gebunden ist und auch gerne fächerübergreifend sein darf. Trotzdem ergänzen viele Projekte den Lehrplan der naturwissenschaftlichen Fächer und die Schülerinnen und Schüler können einen direkten Vorteil für sich erkennen. Viele eigentlich interessierte Schülerinnen und Schüler wenden sich im Laufe ihrer Schulzeit – aus den unterschiedlichsten Gründen – wieder von den Naturwissenschaften ab. Werden sie jedoch ab der fünften Klasse auch außerunterrichtlich gefördert und gefordert, kann das anders aussehen und die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich später evtl. eher für ein naturwissenschaftliches Studium.

Jede Schülergruppe hat einen eigenen Platz, an dem nur sie arbeitt. Der Platz ist beschildert mit den Namen der Gruppenmitgliedern und der Forschungsfrage. Die Schülerinnen und Schüler müssen so nicht immer alles Aufgebaute nach der Zeit wieder abräumen, sondern können beim nächsten Mal direkt weiterarbeiten. Alle halten ihre Ergebnisse und Recherchen in Laborjournalen fest und lernen so, naturwissenschaftliche Versuche fachlich adäquat zu dokumentieren.

Der Nebenraum des Labors wurde als Pausenraum zum Ausspannen zwischen den Experimenten gestaltet. Es hat sich dabei herausgestellt, dass das gemütliche Ecksofa von den Gruppen gerne als Besprechungszimmer und Ideenschmiede benutzt wird.

Die Schülerinnen und Schüler bilden im Labor viele fachliche, aber auch überfachliche Kompetenzen aus, gerade die, welche im normalen Unterricht nicht ausreichend gefördert werden können. Hierzu zählen vor allem Selbst- und Sozialkompetenzen wie kritisch-forschendes Denken, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Neugierde und Selbstmotivation, Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen, Selbstständigkeit und Selbstverantwortung und Teamfähigkeit. Bei den Methodenkompetenzen werden Wissenschaftspropädeutik, Lern- und Arbeitsstrategien, Kreativität, Prüfungsstrategien, Recherchieren, Lesetechnik und Informationsverarbeitung, Texte verfassen, Präsentieren und Referieren und Projektmanagement gefördert.